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Beschreibung

Idee und Prinzip

Rhönradturnen ist eine elegante und ästhetische Individualsportart. Das Besondere am Rhönradturnen ist die Dynamik. Während einer Übung steht das Gerät nicht still, sondern ist permanent in Bewegung. Zusätzlich zur Bewegung des Rades kommt die Bewegung des Turners hinzu. Dieser kombiniert im, am und auf dem Rad unterschiedliche turnerische Elemente.
Im Rhönradturnen wird zwischen drei Disziplinen unterschieden: Geradeturnen, Spiraleturnen und Sprung. Im Wettkampf werden die gezeigten Übungen bezüglich Schwierigkeit und Ausführung bewertet. Zahlreiche Weltmeister aus den hessischen Vereinen machen den Hessischen Turnverband zu einer Hochburg in der weltweiten Rhönradszene. Aber nicht nur als Wettkampfsportart ist das Rhönradturnen im Hessischen Turnverband verbreitet, insbesondere auf Showveranstaltungen oder Turngalen zeigen Einzelkünstler, Duos oder Teams die Eleganz und Faszination dieser Sportart auf.

Geschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte der Pfälzer Otto Feick seinen Kindheitstraum – er war mit zwei zusammengebundenen Fassreifen einen Abhang hinuntergerollt – in die Realität um und entwickelte ein Turngerät. In Schönau a. B. (Rhön) eröffnete er eine Metallverarbeitungswerkstatt und baute 1925 das Turngerät, das er „Rhönrad“ nannte. Er meldete es zum Patent an und ließ es in 30 Nationen schützen.
In den Folgejahren kam es, durch eine Gruppe ausgewählter Sportler, unter Feicks Leitung, zu Präsentationen in England, Frankreich und den USA. Das erste internationale Rhönradturnier fand 1930 in Bad Kissingen statt. Höhepunkt war 1936 die Teilnahme von 120 Rhönradturnern an den Olympischen Spielen in Berlin. In den Jahren rund um den Zweiten Weltkrieg geriet das Rhönrad in Vergessenheit.
1959 wurde die Turnsportart in den Deutschen Turner-Bund aufgenommen. 1960 fanden die ersten Deutschen Meisterschaften in Hannover statt.
Der internationale Aufschwung begann mit der Gymnastrada 1982 in Zürich und 1987 in Herning/Dänemark. Die DTB-Rhönradschauturngruppe erregte mit ihren modernen Choreographien viel Aufsehen – Kontakte nach Israel, Japan und anderen europäischen Ländern entstanden. 1990 kam es zur Austragung des ersten Europacups im Rhönradturnen im hessischen Taunusstein. Ein Jahr später wurde die erste Europameisterschaft in Cosenca/Italien ausgetragen. Mit der Gründung des internationalen Rhönradverbandes 1995 folgten auch die ersten Weltmeisterschaften in Den Helder/Niederlande.

Disziplinen

Im Rhönradturnen gibt es drei Wettkampfdisziplinen: Geradeturnen, Spiraleturnen und Sprung.

Beim Geradeturnen bewegt sich das Rhönrad auf beiden Reifen. Der Aktive bestimmt durch Körperverlagerung die Bewegungsrichtung. In dieser Disziplin wird zwischen zentralen und dezentralen Übungen unterschieden. Bei den zentralen Übungen befindet sich der Turner hauptsächlich im Radmittelpunkt, bei den dezentralen Elementen außerhalb des Radzentrums. Beim Geradeturnen mit Musik versuchen die Turner, die Musik durch ihre Bewegungen zu interpretieren. Es werden Kür und Pflichtübungen geturnt.

Beim Spiraleturnen wird das Rad auf einem Reifen geneigt und kreisförmig fortbewegt. Es gibt die „Große Spirale“, bei der das Rad einen Neigungswinkel von über 60 Grad haben muss und die „Kleine Spirale“, bei der der Neigungswinkel unter 30 Grad liegt.

Der Sprung wird von den männlichen und seit 1999 auch von den weiblichen Turnern ausgeführt. Dabei wird das Rad mit Schwung angeschoben. Der Aktive läuft im Steigerungslauf hinter dem Rad her. Durch einen dynamischen Absprung gelangt der Turner in eine kurze Grätsch-, Hock- und Standposition (vorwärts oder rückwärts) auf dem Rad, von der aus durch ein Abspringen oder Abdrücken eine Flugphase z. B. in Form eines Saltos folgt. Des Weiteren gibt es noch Sprünge, die mit einer Überschlagtechnik ausgeführt werden.

Außer diesen Wettkampfdisziplinen bietet das Rhönradturnen noch Synchron-, Paarturnen und Partnerspiraleturnen.

Sportgerät

Das Rhönrad besteht aus zwei gleich großen mit Kunststoff ummantelten Stahlreifen, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden sind. Es gibt zwei so genannte Spreizsprossen, zwei Griffsprossen und zwei Brettsprossen. Gegenüber der Brettsprossen sind zwei weitere Griffe, die Reifengriffe, angebracht. Die Räder unterscheiden sich in Größe und Gewicht: Die kleinsten haben einen Durchmesser von 135cm und 40kg und die größten einen Durchmesser von 245cm mit einem Gewicht von 60kg. Größe und Gewicht orientieren sich am Turner, sodass dieser fast gestreckt im Rad steht und sich an den Griffen festhalten kann. Die Farben der einzelnen Rhönräder sind beliebig.

Bewertungssystem

Die auf Wettkämpfen gezeigten Übungen werden mittels eines 10-Punkte-Systems bewertet. Sowohl die Schwierigkeit der gezeigten Übungen als auch die technisch saubere Ausführung wird berücksichtigt. Bei Pflichtübungen und beim Pflichtsprung ist die Höchstnote je nach Leistungsklasse vorgegeben. Die Höchstnote bei Kürübungen wird durch den Schwierigkeitsgrad der jeweils vom Aktiven in einer Folge geturnten Elemente bestimmt.
Über die Korrektheit der Ausführung sowie die Schwierigkeit einer Übung wacht in allen Disziplinen ein Kampfgericht. Dieses ist je nach Disziplin unterschiedlich zusammengesetzt.

Wettkampfsystem

Das Wettkampfprogramm unterscheidet sich nach Leistungsklasse und dem Alter der Aktiven. In der Landesklasse (L5-L7) zeigen die Turnerinnen eine Pflicht- und eine Kürübung im Geradeturnen. Die Turner zeigen zusätzlich einen Sprung. Nationaler Höhepunkt der Landesklassen ist der alljährliche Deutschlandcup, zu dem jeder Landesturnverband seine besten drei Turner der L5 – L7 an den Start schicken kann. Auf hessischer Ebene sind die Schülerbestenwettkämpfe, Landesbestenwettkämpfe und der Hessenpokal die höchsten Wettkämpfe.

Auf der nationalen Wettkampfebene, der Bundesklasse (L8 - L10), zeigen die Aktiven neben Geradeturnen und Sprung zusätzlich das Spiraleturnen. Internationale Höhepunkte sind die Weltmeisterschaften und der World-Team-Cup. Auf nationaler Ebene finden Deutsche Meisterschaften sowie Deutsche Mannschaftsmeisterschaften statt. Die Qualifikation für Deutsche Meisterschaften erfolgt für die hessischen Aktiven über die Hessischen und die Süddeutschen Meisterschaften.

Freizeit- und Breitensport

Im Hessischen Turnverband hat Rhönradturnen nicht nur als Spitzensportart eine große Bedeutung, sondern auch als Breiten- und Freizeitsport. In den insgesamt 24 hessischen rhönradturnenden Vereinen nutzen zahlreiche Breitensportler das Rhönrad um sich fit zu halten und ihre körperlichen Fähigkeiten wie Gleichgewichtsinn und Körperspannung zu schulen.

Jedes Jahr werden mehrere Lehrgänge für alle Altersklassen im Breitensport angeboten. Die Palette reicht von  Kinderlehrgängen, über Nachwuchsschulungen bis hin zu einem Trainingslager für Erwachsene. Hierbei steht der Spaß an der Bewegung mit dem Rhönrad und das Kennenlernen anderer hessischer Rhönradturner im Vordergrund. Darüber hinaus gibt es an mehreren hessischen Schulen und Universitäten Rhönradturnen als AG oder Sportangebot.